Monday, January 31, 2005

Was reizt Sie an der neuen Aufgabe?

Gewöhnlich haben die Vertreter der Personalgewinnungszunft während ihrer Studienzeit ein paar Seminare zur Motivationstheorie gehört oder bei ihrem letzten Frisörtermin nur Frauenzeitschriften auf der Auslage gefunden. Manche haben einmal ein Buch über Zielkonflikte gelesen, das ihnen noch zu denken gibt. Jetzt möchte der Vertreter der Human Resources hinterlistig herausfinden, ob die Intentionen des Bewerbers und des Unternehmens zusammenpassen, nachdem er kurz vor dem Gespräch schnell die Unterlagen der neuen Golfausrüstung in die Schreibtischschublade geknäult hat. Lassen Sie sich von der Frage nicht verblüffen. Er wundert sich bloß, warum sich ein einigermaßen vernünftig aussehender Mensch wie Sie auf eine Stellenausschreibung des Unternehmens bewirbt.

Seien Sie nett. Der Mensch auf der anderen Seite des Tisches sucht nur Verständnis und nimmt Sie vielleicht eines Abends in seine Selbsthilfegruppe mit. Denken Sie daran, daß Ihr Gefasel über die Reize des Arbeitslebens im allgemeinen und die Herausforderungen des Alltags im Speziellen die Frage auch nicht intelligenter macht. Die wahren, besessenen, sich völlig verausgabenden Koryphäen Ihres Fachgebietes, die ihren Beruf als Berufung verstehen, liefert der Headhunter frei Haus oder eine durchzechte Nacht des Chefs im Golfclub.

Ein dröges Bewerbungsgespräch mit einem Niemand, der wie Sie am besten auf der Poststelle aufgehoben wäre, weil Ihre Kernkompetenzen im wesentlichen im Eintüten, Frankieren und Versenden von Bewerbungsunterlagen bestehen, ... also ein Bewerbungsgespräch mit Ihnen ist mit Sicherheit der falsche Weg, Mitarbeiter mit Selbsterfüllungstrieb zu finden.

Machen Sie aus der Frage das Beste. Die Wahrheit kann im Zweifelsfalle auch nichts schaden.
Die Bandbreite der Antworten reicht von "die Kohle, oder was haben Sie gedacht" bis zum finalen "Bis jetzt noch nix". Vergessen Sie nicht, die Fahrtkosten abzurechnen.

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