Der Assessment Center Test
Donnerstag, d. 13. Januar 2005
Spiegel Online beschreibt die Problematik des Stifteholens beim Assessment Center.
Folgende Situation ist gegeben:
Vier hoffnungsfrohe Führungskräftenachwuchsbewerber sitzen erwartungsvoll im Seminarraum. Die Teilnehmer bekommen ein paar Schreibutensilien und 30 Minuten Zeit, um einen Vortrag ihrer Wahl vorzubereiten. Nach Ablauf der halben Stunde bittet ein Vertreter des Personalbüros zum Vortrag, stellt aber vorher fest, daß die Stifte für die Folienbeschriftung fehlen. Wen würden Sie einstellen? (Um Beeinträchtigungen Ihrer Urteilskraft aufgrund des Geschlechts auszuschließen werden alle Bewerber schlicht als Teilnehmer bezeichnet.)
Teilnehmer 1
hat ein Vollsortiment aller namhaften Büroartikelhersteller in seinem Pilotenkoffer, eilt mit seinen gesamelten Mustern zu der wartenden Personalfachkraft am Projektor und freut sich, daß er Initiative und Dynamik zeigen kann. Bevor er diensteifrig einige Schriftproben auf die Glasplatte des Projektors schmiert, überreicht er ein Visitenkärtchen mit seiner e-bay-Powerselleradresse und gewährt dem Unternehmen 20 % Rabatt.
Teilnehmer 2
ganz die gediegene Führungskraft, fühlt sich nicht angesprochen, blickt vorwurfsvoll in die Richtung des anwesenden Personals und fragt barsch, wer die Schlamperei zu verantworten hat.
Einmal in Fahrt bemerkt er, daß die ganze Leinwand schief steht und der zu geringe Abstand des Projektors die Wirkungskraft seines Vortrages ohnehin beeinträchtigen wird.
Ein deutlicher Blick auf die goldbearmbandete Uhr beinhaltet den dezenten Hinweis, daß er im Anschluß noch andere Termine hat und nicht ewig warten kann.
Teilnehmer 3
kennt Folien nur aus den romantisch verklärten Erzählungen seines Onkels, der die Familie jeden zweiten Sonntag mit seinen Geschichten aus der Vorschulzeit nervt. Er fragt, ob er in der kurzen Pause seine Notizen von seinem zusammenklappbaren Subnotebook auf eine DVD brennen kann und fragt nach dem kürzesten Weg zur EDV-Fachabteilung, um sich einen Beamer auszuleihen.
Teilnehmer 4
ist durch den akuten Mangel an Schreibmaterial sofort alarmiert, fingert verstohlen nach seinem Handy und schickt an einen alten Schulfreund eine eilige SMS mit der dringenden Bitte um eine Firmenauskunft über das Unternehmen, das sich offensichtlich Bewerber einladen muß, um den Schreibwarenbedarf zu decken. Gleichzeitig holt er den vorbereiteten Fahrtkostenbeleg aus der Brieftasche und begibt sich unter dem Vorwand austreten zu müssen auf schnellstem Weg zur Firmenkasse.

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