Friday, February 04, 2005

Weshalb haben Sie so oft die Stelle gewechselt?

Unzweifelhaft eine Frage aus der guten alten Zeit, als ein Arbeitsplatz noch "Lebenslänglich" bedeutete und die natürliche Vorstufe der Pensionierung war. "Jobhopper" wurden als anrüchig oder mindestens als schillernde Paradiesvögel der Arbeitswelt angesehen.

Vor dem Hintergrund, daß vielen Chefs eine kürzere Verweildauer in den Unternehmen beschieden ist, als den Stellensuchern Probezeit, bekommt die Frage komische Züge. Lachen Sie aber nicht zu laut. Schön, wir leben zwar im Zeitalter der Zeitverträge, Mini-Jobs und Projektbefristungen. Aber der Fragesteller hat einen Job und Sie möchten eine Arbeitsstelle haben. Wenn Sie nach den ersten Minuten des Beschnupperns gemerkt haben, daß sich der Laden Ihre Beschäftigung ohnehin nicht leisten kann, seien Sie trotzdem vorsichtig. Die Welt ist bekanntlich klein und vielleicht sind Sie irgendwann Kollegen und teilen das gleiche Büro.

Werben Sie deshalb um ein wenig Verständnis, weisen Sie dezent auf ihre materielle Ausgangsposition hin und geben Sie ruhig zu "Ich habe so oft gewechselt, damit das Sozialamt nichts merkt." Oder flechten Sie bei der Gelegenheit eine kleine Frage ein, die Sie schon auf der ganzen Herfahrt bewegt hat: "Weshalb hat Ihre Firma innerhalb eines Jahres schon den dritten Namen?"

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Thursday, February 03, 2005

Was waren Ihre wichtigsten Tätigkeiten bisher?

Die Highlights sind gefragt. Aber machen Sie sich nichts vor. Der Fuchs aus dem Personalbüro kennt alle Schönungen und Färbungen in den Autobiographien, die ihm als Lebenslauf vorgesetzt werden.

Als Vertreter der arbeitssuchenden Laienspielschar sind Sie ihm aufgrund der unzähligen Aufführungen, die er schon über sich ergehen lassen mußte sowieso suspekt.

Was ist Dichtung, was ist Wahrheit ist die Gretchenfrage, die unausgesprochen über ihrem Haupte schwebt.

Wenn Sie die Frage nach den Höhepunkten Ihres Schaffens und Wirkens als Laberfrage interpretieren sind Sie zwar auf dem richtigen Weg, sollten aber die Stolpersteine beachten.

Denken Sie daran, daß die Darstellung Ihrer Heldentaten einigermaßen zu Ihrem Auftritt passen sollte. Der Draufgänger, der sich minutenlang nicht zwischen den zwei Stühlen entscheiden kann, die ihm angeboten werden, hat ein Glaubwürdigkeitsproblem.

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Wednesday, February 02, 2005

Schildern Sie uns bitte Ihren Werdegang?

Als ich das erste Mal die Frage hörte, glaubte ich mich verhört zu haben. Mit wieviel Mühe hatte ich meine Unterlagen zusammengestellt. Vor meinen Gesprächspartnern lag die Bewerbungsmappe aufgeschlagen. Die Seite mit dem Lebenslauf und dem Paßbild war deutlich zu sehen. Hatte ich eine zu kleine Schrift gewählt? War ich im Kuratorium für Analphabeten gelandet.? Ein Blick über den Tisch überzeugte mich von den ernsthaften Absichten meiner Gesprächspartner.

Nach wie vor gehört die Bitte um eine kurze Vorstellung für viele Personaler zu den unverzichtbaren Ritualen der Eröffnungszeremonie. Ein Warm-up zur Beurteilung der Selbstdarstellung gewissermaßen.

Hin und wieder verunsichern professionelle Bewerbungsberater die ungehemmten Selbstdarsteller unter den Bewerbern mit dem Verdacht, die Personaler wollten auf diese plumpe Art den Wahrheitsgehalt des Lebenslaufes abgleichen. Die Bewerber werden gemahnt, Ihre schriftlich eingereichten Memoiren auswendig zu lernen und peinlichst genau zu rezitieren.

Lassen Sie sich nicht ins Boxhorn jagen! Wenn Sie die Gegenseite zu sehr mit der pingeligen Fragerei nach Jahreszahlen nervt, fragen Sie den Personaler nach dem Geburtstag seiner Frau oder an den letzten Hochzeitstag, an den er sich erinnern kann. Auch Gesprächspartnerinnen können Sie mit gezielten Gegenfragen zum Familienleben gekonnt verwirren.

Im vorgenannten Fall hörte sich der Vertreter des Personalbüros meine komplette Lebensbeichte klaglos an. Im zweiten Gespräch wiederholte sich die Frage, nur die Gesprächspartner wurden ausgetauscht. Beim dritten Termin kamen wir dem Zweck des Termins etwas näher und ich durfte mir meinerseits einen epochalen Abriß der Firmenhistorie anhören. Dann hörte ich mehrere Wochen nichts mehr. Inzwischen hatte ich mich für ein anderes Unternehmen entschieden. Dann, eines Tages, erhielt ich plötzlich völlig unverhofft den Anruf, ob ich ... und wenn dann möglichst bald ..., man habe sich nach Sichtung aller aussichtsreichen Kandidaten entschieden. Kurz, ich könnte zum nächsten Quartal anfangen.

Ein halbes Jahr später wurde der Standort geschlossen.

Seien Sie überzeugt, wer sich zuviel mit Ihrer persönlichen Vergangenheitsbewältigung beschäftig hat entweder zu viel Zeit (sehr verdächtig) oder selbst den Anschluß verpaßt.

Verplempern Sie keine Zeit. Nutzen Sie die Frage zur ausführlichen Erläuterung Ihrer Fähigkeiten, die nicht unbedingt aus der schriftlichen Darstellung Ihres Lebenslaufes ersichtlich sind. Wie Sie sich vor zwanzig Jahren bei der Bedienung Ihrer mechanischen Schreibmaschine den kleinen Finger eingeklemmt haben, geht heute wirklich niemanden etwas an.

Falls Ihre Gesprächspartner anderer Meinung ist, weisen Sie ihn dezent auf die aktuelle Halbwertszeit von Unternehmen hin. Eine kleine Hilfestellung: Der aktuellste Fall einer großen Insolvenz liegt erst zwei Tage zurück. Die Firma heißt Walter Bau und hatte ihren Sitz in Augsburg. Falls Ihre Gesprächspartner mit der Zukunftssicherheit der eigenen Branche kontern, parieren Sie lässig und gekonnt. Bitten Sie Ihre Gesprächspartner die Entstehungsgeschichte dreier Welt-Konzerne Ihrer Wahl zu rekapitulieren. Gut eignen sich EON, Aventis und TUI. Bitten Sie aber vorher um eine kurze Gesprächspause, in der Sie die wichtigsten Termine des Tages abarbeiten können. Ihre Gesprächspartner werden für das zeitliche Zugeständnis dankbar sein.

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Monday, January 31, 2005

Was reizt Sie an der neuen Aufgabe?

Gewöhnlich haben die Vertreter der Personalgewinnungszunft während ihrer Studienzeit ein paar Seminare zur Motivationstheorie gehört oder bei ihrem letzten Frisörtermin nur Frauenzeitschriften auf der Auslage gefunden. Manche haben einmal ein Buch über Zielkonflikte gelesen, das ihnen noch zu denken gibt. Jetzt möchte der Vertreter der Human Resources hinterlistig herausfinden, ob die Intentionen des Bewerbers und des Unternehmens zusammenpassen, nachdem er kurz vor dem Gespräch schnell die Unterlagen der neuen Golfausrüstung in die Schreibtischschublade geknäult hat. Lassen Sie sich von der Frage nicht verblüffen. Er wundert sich bloß, warum sich ein einigermaßen vernünftig aussehender Mensch wie Sie auf eine Stellenausschreibung des Unternehmens bewirbt.

Seien Sie nett. Der Mensch auf der anderen Seite des Tisches sucht nur Verständnis und nimmt Sie vielleicht eines Abends in seine Selbsthilfegruppe mit. Denken Sie daran, daß Ihr Gefasel über die Reize des Arbeitslebens im allgemeinen und die Herausforderungen des Alltags im Speziellen die Frage auch nicht intelligenter macht. Die wahren, besessenen, sich völlig verausgabenden Koryphäen Ihres Fachgebietes, die ihren Beruf als Berufung verstehen, liefert der Headhunter frei Haus oder eine durchzechte Nacht des Chefs im Golfclub.

Ein dröges Bewerbungsgespräch mit einem Niemand, der wie Sie am besten auf der Poststelle aufgehoben wäre, weil Ihre Kernkompetenzen im wesentlichen im Eintüten, Frankieren und Versenden von Bewerbungsunterlagen bestehen, ... also ein Bewerbungsgespräch mit Ihnen ist mit Sicherheit der falsche Weg, Mitarbeiter mit Selbsterfüllungstrieb zu finden.

Machen Sie aus der Frage das Beste. Die Wahrheit kann im Zweifelsfalle auch nichts schaden.
Die Bandbreite der Antworten reicht von "die Kohle, oder was haben Sie gedacht" bis zum finalen "Bis jetzt noch nix". Vergessen Sie nicht, die Fahrtkosten abzurechnen.

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Friday, January 28, 2005

Warum haben Sie sich für diese Position beworben?

Die Frage nach den Gründen des Daseins an sich, die schon manches Vorstellungsgespräch beendet hat. Sogar einem professionell gecoachten amerikanischen Präsidentschaftskandidaten hat die Frage nach dem "Warum" vor laufenden Kameras das Blut aus dem Hirn getrieben und seinen Wahlkampf im schweigenden Nachdenken versenkt.

In der Tat wird kaum eine Frage verlogener gestellt. Hätte Walter Mondale damals keck und frech geantwortet: "Weil ich einmal in Camp David übernachten will!", hätte die Nation wahrscheinlich einmal herzerfrischend vor dem Fernseher gelacht, die nächste Büchse Bier geöffnet und weiter gedöst.

Im Bewerbungsinterview ist die Ausgangssituation nicht viel anders als im amerikanischen Präsidentenwahlkampf. Den Platz, auf den es ankommt, kann nur einer gewinnen. Die Stellenbeschreibung ist schwammig, das Anforderungsprofil nichtssagend, Geld ist im Budget nicht vorhanden und die Einstellung wird nicht unwesentlich von Ihrem Medienauftritt bestimmt.

Eigentlich sollte jeder halbwegs gebildete Zeitungsleser inzwischen die wirtschaftlichen Rahmendaten kennen, die Sie in dieses gottverlassene Besprechungszimmer getrieben haben. Selbst der Chefs des Chefs sucht seit Monaten händeringend eine sinnvolle Beschäftigung für seine fünfsprachige Nichte, die in allen Sommerferien ein Praktikum an das nächste gereiht hat und nach ihren Studienaufenthalten alle Erdteile in und auswendig kennt.

Die ehrlichste Antwort: "Weil ich einen Job brauche!!!" führt anstellungstechnisch gesehen nach wie vor ins Verderben bzw. nach einer höflichen Hüstelpause vor die Tür. Nehmen Sie deshalb einen kurzen innerlichen Anlauf - mit dem Terminus Technicus Sammlung genannt - und schwafeln Sie Ihren Gesprächspartner zu, bis er um Gnade winselt.

Pieter van Tongen

Thursday, January 27, 2005

Woher kennen Sie unser Unternehmen bereits?

Gewöhnlich werden Bewerbungsgespräche mit einer kurzen Selbstdarstellung der Unternehmerseite eingeleitet. Ein gewisser Bekeanntheitsgrad des Unternehmens wird unterschwellig immer vorausgesetzt. Selbst, wenn die Geschäftsleitung nur in der Kreisliga B der Klitschenliga spielt und alle Suchmaschinen des Internet einer Anfrage nur hilflos gegenüber stehen.

Neuerdings sind die guten Manieren etwas aus der Mode gekommen. Die Unternehmensvertreter geben nur noch soviel preis wie sie unbedingt müssen ohne allzu unhöflich zu wirken. Da der Durchschnittsbewerber ohnehin nicht lange im Unternehmen verbleibt, soll er nicht unnötig mit Wissen belastet werden.

Insbesondere wegen der Informationsmöglichkeiten des Internet sollten ernstmeinende Bewerber ein paar wohlmeinende Antworten parat haben. Die lakonische Antwort: "Aus der Zeitung, wie ist der Betriebsunfall eigentlich ausgegangen - hat die Versicherung gezahlt?" kann sich unvorteilhaft auf das Geschäftsklima auswirken.

Aber auch eine zu starke Betonung der Technikorientierung muß nicht unbedingt förderlich wirken, wenn es um die Besetzung des ausgeschriebenen Schleudersitzes geht. "Ich habe auf der Herfahrt schnell mit dem Handy Ihre Homepage gecheckt!!!" weist im günstigsten Fall auf eine von dringenden Terminen verursachte Last-Minute-Vorbereitung hin. Im ungünstigen Fall vermuten die Vertreter einen unbelehrbaren Spielratz und Technikfreak, der sein Internetbudget zu Lasten ihres Spielekontos verblitzt.

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Wednesday, January 26, 2005

Können wir Ihnen etwas zu trinken anbieten?

Eine Frage aus der guten alten Zeit der Vorstellungsgespräche.

Seit Geschäftsführer und Vorstände auf ihren Unternehmertagungen und Controllingseminaren immer öfter eingebleut bekommen, daß die Beschränkung der Kaffeekosten die letzte Rettung der Dividendenausschüttung ist und die Existenz des Unternehmens am monatlichen Durchschnittsverbrauch des Stillen Wassers hängt, hat die Getränkekarte während des Vorstellungsgespräches ausgedient.

Allerdings dar auch eine exquisite Bewirtung nicht überbewertet nicht zu übertriebener Hoffnung und übersteigerten Erwartungen führen. Vielleicht ist der letzte Lagebericht zur aktuellen Liquidität bloß noch nicht zur Personalabteilung durchgedrungen. Vielleicht wird aber auch der letzte Bargeldbestand bei der Bewirtung nichtsahnender Bewerber verblitzt.

Eine kleine Prüfung, was der künftige Hoffnungsträger oder die neue Perle der Abteilung zu schlucken bereit ist, ist ebenfalls nicht ausgeschlossen. Assessment-Center-Experten mit Überlebenstrainingerfahrung versuchen gegebenenfalls herauszufinden, wie lang die Durststrecke ist, die das vor Ihnen sitzende Opfer überwinden kann. Die Klimaanlage empfiehlt einen heißen Grog mit sehr viel Rum.

Nun sind Bewerber im allgemeinen nicht mit dem Kamel verwandt. Auch wenn manches Unternehmen Brehms Tierleben gerne umschreiben würde.

Daher sind falsche Scham und gute Erziehung der hoffnungsfrohen Bewerber auf dem Weg zur Erwerbsquelle eher vorsichtig zu werten und erliegen meist der Gefahr, als Kleinmut oder Schüchternheit interpretiert zu werden.

Bewrber mit Führungsqualität sollten zeigen, daß sie auch als Genießer Qualität zu schätzen wissen und Ihnen gewisse Kleinigkeiten nicht unwichtig sind. Immerhin sind Sie als Bewerber Gast im Hause uns sollten so behandelt werden!

Verlangen Sie daher ruhig nach der Getränkebestellung nach der Speisekarte. Lassen Sie sich zu einem auswärtigen Restaurant chauffieren. Nennen Sie bei der Weinbestellung ausdrücklich den Jahrgang und zeigen Sie, daß Sie einen guten Tropfen zu schätzen wissen. Die Quittung lassen Sie sich natürlich für Ihre Bewerbungsunterlagen aushändigen.

Auch wenn das Gespräch nicht zu der gewünschten Einstellung führen sollte, hatten Sie bei Befolgung aller vorangegangen Vorschläge, immerhin einen kurzweiligen Termin und ein warmes Essen. Was will ein Bewerber auf der Wanderung durch den Hartz mehr erwarten?!